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Hi

Sehr spät heute, aber es muss sein.

Wir waren heute (nach einigem hin und her doch nur zu zweit) in Köln. Erstmal muss ich sagen, dass ich vom Kölner Dom mehr als beeindruckt bin, aber da ich extreme Höhenangst habe, hab ich dankend darauf verzichtet, die Milliarden von Treppenstufen hinaufzusteigen. Hab (weil ich ja so ein gutes Herz bin) mir die Geschichte eines Obdachlosen vor dem Dom angehört, der mir hoch und heilig versicherte, er sei nicht betrunken und nehme keine Drogen. Das änderte aber nichts daran, dass der Kerl einfach HACKEDICHT war und mir erzählte, dass sein Bein gebrochen sei und das Krankenhaus ihn ohne Krankenversicherung nicht behandeln würde. Er zeigte mir sein Bein, aber so wirklich gebrochen sah es nicht aus. ;-)

Das war der interessante Teil. Jetzt zum sehr interessanten Teil.

Ich war bei Babalawé John Ziegler und es war erdrückend, geil, verwirrend und faszinierend. Nachträglich kann ich wohl nur versuchen, objektiv zu sein, indem ich sage, dass es mich "weitergebracht hat". Aber das tat es so unglaublich stark, dass ich auch jetzt noch sehr an dem Stoff zu beißen habe.

John Ziegler entpuppte sich als perfekte Fusion aus Bodenständigkeit und Religiösität, ein etwas dickerer und sehr freundlicher Mann, der fünf Jahre lang in Kuba lebte und heute einen kleinen Online- Möbelshop in Köln- Dellbrück unterhält. Er ist Babalawé, bekleidet also einen Rang, der im Christentum mit soetwas wie "Messias" übersetzt werden kann.

Das erste, was ich definitiv mitnehmen konnte, war, dass es völlig okay ist, erst durch eigene Probleme ein Interesse für diese Religion zu entwickeln, ja, dass dies sogar erwünscht ist, denn so liefe es in der Praxis auch tatsächlich ab. Ich muss zugeben, dass ich mir das in meinem speziellen Fall mit der Psychose nicht eingestehen wollte, also wirklich wegen der Schizophrenie nach Hilfe SUCHTE. John brachte dabei die fast regelmäßig auftauchenden älteren "Herren" an, die über Potenzprobleme klagen und denen anscheinend tatäschlich GEHOLFEN werden konnte.

Was mich zu einer Frage bringt. Die meisten handhaben das ja anscheinend so, dass nach einer Besserung des individuellen Problems kein weiteres Interesse am Yoruba- Kult besteht. Das ist an sich kein Problem, denn in den allermeisten Fällen geht man bei Orakelbefragungen und der Verwendung von anderen Hilfsmitteln im Alltag keine Verpflichtung ein- das heißt, wer gehen will, soll gehen. Die Frage ist: Habe ich die Veranlagung dazu, weiterzumachen, sollte es mir tatsächlich hinterher besser gehen? Ich weiß es nicht. Und wieso mache ich mir überhaupt Druck deswegen? Ich glaube, ich möchte einfach etwas Spirituelles haben, das mir gefällt und mit dem ich mich wohl fühle, quasi etwas, zu dem ich gehöre. Jaja, ich weiß, Gruppendenken und so weiter und so fort, aber mein Gott, ich muss mir das einfach mal eingestehen, dass ich so etwas tatsächlich BRAUCHE. Dabei spielt vor allen Dingen die Angst mit, die ich IMMER und in JEDEM Bereich habe- bin ich dort wirklich willkommen? Oder wird das Ganze auf eine weitere Enttäuschung hinauslaufen, also dass ich wieder etwas gefunden habe, was mir zwar gefällt, aber wozu ich mal wieder jede Menge einstecken, also mal wieder leiden muss? Bringe ich denn überhaupt die durch die Psychose stark verminderte innere Stärke mit, das wirklich erfolgreich durchzuziehen? Oder habe ich wieder ein Stop- Schild gefunden- don't enter? Ich bin es leid, zu suchen, ich will FINDEN.

Das sind die quälendsten Fragen, die ich mir stelle. Schon wieder hatte ich jetzt rein im Gespräch das Gefühl, mal wieder die falschen Fragen zu stellen und war mir SCHON WIEDER extrem unsicher, ob mich John wirklich für voll nimmt. Und es regt mich auf, dass ich so vieles nur tue, um möglichst "gut rüber zu kommen" und meine eigenen Grundgedanken dabei völlig aus den Augen verliere. Ich glaube, ich habe grad wieder eine etwas schlechtere Phase, denn ich fühle mich schüchtern, verängstigt und ganz ehrlich, es fällt mir selbst schwer, mich für ganz voll zu nehmen und mir grad irgendetwas Gutes abzugewinnen. Womit wir wieder beim Thema Druck wären, den ich mir selbst mache. Es tut wirklich gut, das mal loszuwerden und zu verbalisieren. ENTER

John meinte, mein persönlicher Orisha wäre zu 99% Obatala, jedenfalls meinte er das sofort, als er mich sah und zwei Minuten erlebte. Ich habe schon einiges über Obatala gelesen, und (mal ganz platt gesagt), er war mir auf Anhieb der Symphatischste. John allerdings hat mir noch einiges mehr erzählt, das ich noch nicht wusste. Obatala erscheint als gebrechlicher Mann. Er ist der Orisha des Kopfes, also im Groben gesagt der Seele, des rationellen Denkens. Er behütet seine Kinder, liebt sie selbst dann noch, wenn sie ihn abstoßen. Er hat also quasi ein offenes Ohr für jeden. Fordert man ihn allerdings heraus, ist seine Wut unglaublich zerstörerisch. Was mir noch mehr gefiel, war, dass er außerdem der Orisha der Kreativität war. Natürlich, das ist mal wieder so ne Sache- Lars will unbedingt der Beste, Kreativste und Klügste sein- also will er unbedingt zu Obatala. Diese Gefühle verwirren mich, und somit ist es für mich nicht klar zu sehen, was denn wohl das Richtige für mich ist- eine Einstellung, die ich übrigens der ganzen Santeria- Sache entgegenbringe. Denn irgendwo geistert auch diese leise Stimme in meinem Kopf, die mich fragt: Ist das nicht alles Humbug? Bist du jetzt so tief gesunken, dass du völlig verzweifelt bei den kuriosesten Dingen Hilfe suchst? Naja, und was ich mir dann noch als Frage stelle: Will ich mir überhaupt eingestehen, dass ich im Grunde genommen einfach nur verdammt nochmal HILFE suche? Und warum zum Teufel ist mir das so peinlich?

Das bringt mich jetzt wieder zu so einer Sache. Nachdem John so nach einer gewissen Zeit aus mir herausgekitzelt hatte, was ich genau suche (was mir ja im Vornherein selbst nicht so ganz klar war), sagte ich ihm, dass ich an der Psychose leide. Er entgegnete sofort "Ich weiß". Warum? "Das sagte mir Orula". Vielleicht zur Erklärung- Babalawés sind die Priesterschaft des Orula, der als der Zweitgestellte Orisha überhaupt gilt. Olodumare, den höchsten, spricht man nicht direkt an, da er sich sehr weit von der Menschheit entfernt befindet. Aber zurück zum Thema- soll ich das für voll nehmen? Sollte ich nicht mit einer gewissen Skepsis an die Sache heran gehen? Ganz ehrlich? Ich will das gar nicht. Ich will etwas finden, nicht mehr suchen (siehe oben). Ein Großteil in mir WILL das einfach glauben. Und der andere, eben kleinere Teil, verurteilt das. Das sorgt grade für ziemliche Verwirrung in mir.

Zum Glück gab mir John einige Ratschläge, wie ich anfangen könnte/sollte. Und zwar mit einem Teilaspekt des Glaubens, den Anfängen im Bereich Spiritismus. Das bedeutet, ich werde im Haus eine Art "Schrein" errichten, einmal für Obatala und einmal für meine Égúns, meinen Ahnen. Das klingt schon ziemlich abgedreht, aber ich will es einfach mal ausprobieren, denn schließlich richte ich damit keinen Schaden an. Das wird in der Praxis so aussehen, dass ich mir ein kleines Tischchen einrichten werde, ein ausgedrucktes Bild (von einer Karikatur) Obatalas auf ihm plazieren werde und mit ihm in Form von zu ihm passenden Opfern und natürlich durch Sprechen Kontakt aufnehmen werde. Soweit ich weiß, ist die Farbe Obatalas Weiß und seine Zahl die 8, also sollten es immer (wenn es sich in den meisten Fällen nicht gerade um Essen handelt) weiße Dinge sein, und in ihrer Anzahl genau acht. Das können weiße Blumen sein (John riet mir übrigens witzigerweise zu Raffaelos) oder eben andere Dinge. Dasselbe sollte ich mit meinen Égúns veranstalten, ihnen Dinge hinlegen, die sie bekräftigen, quasi Symbole, die sie durch ihr Leben begleitet haben. Stellt sich bloß die Frage- Wie treibe ich Fotos und sogar Lebensinhalte von meinen Ahnen auf? Bis auf wenige Ausnahmen MAG ich meine verstorbenen Ahnen laut dem, was ich aufgeschnappt habe, überhaupt nicht. Da gäbe es zum Beispiel einen meiner Urgroßväter, der bis zu seinem Tod noch von "dem Juden" gesprochen hat. Oder der andere, der auf der Welt herumreiste und überall Kinder hinterlassen hat, die bis vor wenigen Jahren noch nicht einmal voneinander wussten? Natürlich, es ist schon cool, in Amerika, China und Afrika Verwandte zu haben, aber so etwas auch noch bekräftigen?! Zudem zweifle ich auch daran, dass mir aus meinem Verwandtenkreis irgendjemand ein Foto von meiner verstorbenen Großmutter überlassen würde, wenn ich ihm einfach sagte: Ich brauch das für religiöse Zwecke.

Ich bin auch fasziniert davon, dass John erzählt hat, dass ich die Anwesenheit meiner Ahnen oder in meinem Fall auch Obatala "spüren" würde, und zwar, wenn ich sensibler und geistesgegenwärtiger die, ich nenne sie mal "Zeichen" wahrnehmen würde. Eine Einstellung, die meinem Verständnis von der Anwesenheit von "Gott" ziemlich ähnlich ist- man WEIß einfach, wenn etwas oder jemand... DA ist. Das ging mir schon früher so, als ich versuchte, aktiv Kontakt zu Gott herzustellen. Ich traue es mich fast nicht zu schreiben, weil ich nicht sicher bin, ob ich das als Fantasterei abtun soll, aber als wir heute im Dom in der Krypta waren, SPÜRTE ich auch irgendetwas. Es wurde mir etwas anders, gar nicht negativ gemeint, aber irgendetwas WAR in diesem Raum. Zumindest für mich. Heißt das, dass ich in dieser Hinsicht veranlagt bin oder heißt das einfach, dass ich komplett DURCHDREHE? Ich weiß eigentlich gar nichts mehr und das macht mir Angst.

Was ich auch sehr schön finde, ist, dass die Orishas und auch die Santeria im Allgemeinen sehr persönlich ist. Man kümmert sich nicht nur im Allgemeinen um das eigene Wohlergehen, indem man verkrampft versucht, sich auf irgendeine Weise mit einem Gott zu identifizieren. Hier geht es wirklich um das, was einem am Besten tut. Sicher, ich sehe es nicht als vollkommene Lösung jedweden Lebensproblems an, aber auf jeden Fall als eine sehr sehr starke Hilfe seitens eines gutmütigen Geistes, der dich unterstützt und dir unter die Arme greift, wenn du Probleme hast. Das macht den Einstieg für mich um einiges leichter.

John Ziegler bot mir außerdem an, bei seiner nächsten Befragung Orulas (das wird eine Heidenarbeit, sich diese ganzen Namen zu merken) zu erfragen, was dieser Orisha höchstselbst mir vorschlägt, mit meiner Krankheit und meinem jetzigen Lebensabschnitt anzufangen. Die Vorstellung, dass ein Babalawé höchstselbst seinen ORISHA HÖCHSTSELBST fragt, was mir helfen könnte, erscheint mir unglaublich, aber sie ist wahr. John meinte, die Psychose wäre aus seiner Sicht kein Problem, das nicht "einfach" (ja, er sagte tatsächlich EINFACH) mit den ihm gegebenen Mitteln zu beheben wäre. Ich muss zugeben, wenn ich so darüber nachdenke, DAS erscheint mir auf den ersten Blick doch etwas zu fantastisch, um wahr zu sein. Doch ich werde sehr offen damit umgehen. Das ist vielleicht sogar das beste, was ich derzeit tun kann. Es einfach auszuprobieren.

John meinte, wenn sich die ganze Sache mit dem Spiritismus bei mir gesetzt hat und ich erste "Anfängererfahrungen" gesammelt hätte, könnte er sich bei mir eine Orakelbefragung vorstellen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Ich verabschiede mich.
Bis bald.

28.7.07 02:37
 


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